| Aufbruch-Gruppen |
Regionale Gruppen haben vor allem die Aufgabe, den Geist des "Aufbruchs" zu fördern. Sie wollen niemanden missionieren, sondern klar machen: Die größte Chance zur Veränderung liegt in Deinem eigenen Leben. In den Gruppen, die sich in der Regel 1x monatlich treffen, werden Ideen gesammelt, hier spricht man offen und aufmerksam miteinander, hier gibt man sich gegenseitig Unterstützung und lernt Menschen kennen, die Lust haben, die Theorie eines zukunftsfähigen Lebens Schritt für Schritt in die Praxis umzusetzen. Aber auch wichtig: Regionale Gruppen sind keine Vereinssitzungen und sollen niemanden unter Druck setzen. Auch wer an keiner solchen Gruppe teilnehmen kann oder will, der kann von uns den ca. alle zwei Monate erscheinenden Gruppen-Rundbrief "Proviant" per E-Mail erhalten. Schickt den entsprechenden Wunsch bitte an Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie sie sehen können
Was ist eine „Aufbruch"- Gruppe?Was eine „Aufbruch"-Gruppe ist, konnte man in der Mitte unserer Republik erleben. Zum zweiten Mal waren alle örtlichen „Aufbruch"-Gruppen zu einem bundesweiten Treffen eingeladen. Eine Werkstatt sollte es werden: für Erfahrungsaustausch untereinander, zur Erneuerung der Inspiration, zur Planung der Aktivitäten übers Jahr und nicht zuletzt zum Feiern der ersten fünf Jahre unseres Netzwerks. Und tatsächlich kamen 35 Menschen aus 17 der über 20 bestehenden und entstehenden Gruppen zu einem Wochenende nach Kassel. Das Seminarhaus der Kommune Niederkaufungen, schlicht aber bunt-alternativ und mit bester Vollwert-Verpflegung, war ein idealer Ort für solch ein Treffen. Ein erster Höhepunkt wurde erreicht, als am Samstag Vormittag die Anwesenden reihum berichteten, wie ihre jeweilige Gruppe lebt, wie sie sich zusammensetzt, wie sie ihre Treffen gestaltet, was sie nährt. Natürlich hörte man dabei auch von enttäuschenden Erfahrungen, aber im Ganzen ergab sich ein sehr ermutigendes und vielfältiges Bild. Dabei ließen sich Grundzüge einer „typischen" „Aufbruch"-Gruppe erkennen: man trifft sich monatlich einmal für 2 - 3 Stunden, manche erst seit kurzem, etliche schon seit 3 - 4 Jahren; man sitzt im Kreis um eine dekorierte Mitte mit einer Kerze; eine Runde mit einem Sprechstein (wer den in der Hand hält, wird von niemandem unterbrochen) gibt am Anfang Raum für ganz persönliches Mitteilen von dem, was einen gerade beglückt oder bedrückt, und schafft so eine Atmosphäre persönlicher Vertrautheit; in einer weiteren Phase werden Informationen weitergegeben; und dann wird ein verabredetes „Aufbruch"-relevantes Thema von einer Person eingeführt und von allen besprochen; nicht alle Gruppen, aber doch die Mehrheit schließen die Zusammenkunft mit einem kleinen spirituellen Ritual. Die Vielfalt der Themen, die fast ausschließlich von Gruppen-Mitgliedern eingebracht werden, nur selten von eingeladenen Referenten oder Referentinnen, entspricht der Spannweite unseres Basistextes und der Aufbruch-Broschüre. Sie reicht von ganz praktischen Fragen einer mitweltverträglichen und weltsolidarischen Lebensweise bis zu gesellschaftspolitischen Problemen, von philosophisch-weltanschaulichen Aspekten bis zu spirituellen Impulsen. Bemerkenswert war, dass „ältere" Gruppen, die dieses Themenfeld schon länger umkreist haben, inzwischen mit kleinen Aktionen nach außen wirken wollen, um auch ferner stehende Menschen auf eine zukunftsfähige Lebensweise hin anzusprechen. Dabei blieb aber Konsens, dass das Netzwerk „Aufbruch" nicht all den bestehenden Aktionsgruppen von Greenpeace, BUND, attac, Pax Christi usw. Konkurrenz machen sollte, sondern den Fokus bei dem halten will, was den politischen Gruppen meist fehlt: bei der eigenen Motivation und Inspiration zum Handeln, besonders hinsichtlich des persönlichen Lebensstiles.
Einen breiten zeitlichen Rahmen unserer Werkstatt nahmen dann die Arbeitsgruppen ein, deren Themen am ersten Abend bereits gemeinsam formuliert worden waren. Das meiste Interesse fand das von Gabi Bott (Ökodorf Siebenlinden) angebotene Kennenlernen der Tiefenökologie, jener Verbindung von Emotion, Theorie, Praxis und Spiritualität, die so gut zum „Aufbruch" passt, ja zu dessen Nährboden gehört. Dabei zeigte Gabi, wie es zum Wesen der Tiefen Ökologie gehört, dass sie hauptsächlich durch Erfahrungs-Übungen vermittelt wird. Großes Interesse fand auch die von Gerhard Breidenstein angeleitete AG zu Fragen des Starts einer Gruppe, der Gestaltung eines Abends oder zum Umgang mit schwierigen Teilnehmenden. Da flossen die Erfahrungen hin und her! Zwei kleinere AGs befassten sich mit Öffentlichkeitsarbeit und mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Ein weiterer Höhepunkt entstand am Samstag Abend. Zunächst skizzierte Gerhard die kurze, aber immerhin fünf Jahre umspannende Geschichte unseres Netzwerks. Von den schwungvollen ersten zwei Jahren mit dem vom Umwelt-Ministerium großzügig finanzierten Büro in Berlin; durch das Krisenjahr 2004, in dem eine Bürogemeinschaft mit der Ökumenischen Initiative Eine Welt in Wethen wieder gelöst werden musste; bis zu den Jahren 2005 und 2006, in denen der „Aufbruch" lernte, aus eigener Kraft zu gehen, und durch eine kontinuierliche Koordinationsarbeit sowie über gut besuchte Seminare seine eigene Dynamik verdeutlichte und entfaltete. Und dann kam das, was wohl alle als das Eigentliche dieses Treffens erlebten. Von Gabi Bott mit wunderbarer Ruhe moderiert, entfaltete sich ein „Aufbruch"-Regenbogen: Franz-Xaver, ein Chorleiter von Beruf und Berufung, verwandelte uns alle binnen einer Viertelstunde in einen schnippsenden, schwingenden und vierstimmig singenden „afrikanischen" Chor; besinnliche Text aus verschiedenen religiösen Traditionen wurden in den großen Kreis gesprochen; Gesänge wurden angestimmt und Kreistänze angeleitet; immer wieder ergaben sich wundersame Momente der Stille; und um die bunt gestaltete Mitte entstand ein vielgliedriger Kreis kleiner Lichter, ein bleibendes Bild vom „Aufbruch"-Fest! Unvermeidlich wurde der Sonntag Vormittag wieder nüchterner, denn man wollte durch die AG-Berichte wenigstens eine Ahnung davon bekommen, was in den anderen AGs „gelaufen" war. Und es wollten bestehende Pläne und neue Ideen für das Jahr 2007 besprochen werden. Am Schluss war einmütiger Konsens: im nächsten Herbst am selben Ort wollen wir uns - in womöglich noch größerem Kreis - wieder treffen. Gerhard Breidenstein
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