Nachhaltige Ernährung PDF Drucken

Anfang des Jahres hat sich unser Netzwerk erstmals ein Jahres-Schwerpunkt-Thema gewählt: Was ist nachhaltige/zukunftsfähige Ernährung? Bisher war uns wichtig, dass unsere Nahrungsmittel die Qualitäten ökologisch, saisonal und regional bzw. transfair haben. Jetzt kommt ein weiterer Gesichtspunkt hinzu.

Der große Report 2007 des UN-Weltklima-Rates  (der zusammen mit Al Gore den Friedensnobelpreis erhielt) deckte auf, dass die weltweite Viehwirtschaft ebenso viel zur Erderwärmung beiträgt wie der gesamte Verkehr!

Wir in den Industrieländern betreiben den bei weitem größten Teil der Massentierhaltung mit hohem Anteil an Futtermitteln aus Armutsländern. Insofern ist unser immer noch steigender Fleisch- und Wurstkonsum ein erheblicher Faktor der Klimaveränderung wie auch der permanenten Hungerkatastrophe.

Wir veröffentlichen deshalb an dieser Stelle interessante Information zum Thema vegetarische Ernährung.

INHALT

- Warum isst du kein Fleisch - Hintergründe zum Vegetarismus
- Ist vegetarisches Leben ungesund?
- Das Problem mit dem Vitamin B12
- Sollen unsere Kinder Vegetarier werden?

 

Warum isst du kein Fleisch?

Die Zahl der Vegetarier ist ständig am Wachsen. Tierschutz ist die wichtigste Motivation für den Verzicht auf Fleisch.

(pp).- Spätestens, wenn der lieb gewonnene Stallhase auf dem Teller liegt, werden Kinder zu Vegetariern. Meist ist die neue Persönlichkeitsphase aber so schnell verflogen wie sich der Abscheu einstellte. Bei Erwachsenen liegt die Sache anders. Bei ihnen ist die Entscheidung zu einem vegetarischen Leben das Ergebnis längerer innerer Prozesse und hat Folgen. „Der typische Vegetarier ist weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und lebt in einer Großstadt", stellten Kristin Mitte und Nicole Kämpfe von der Uni Jena fest.

Oft genug müssen sie sich in der eigenen Familie verständnislosen bis spöttischen Kommentaren stellen, ebenso in der Firmenkantine oder bei Bekanntenbesuchen. Doch das gerne genannte Vorurteil, Vegetarierinnen und Vegetarier litten an einer Essstörung, hält der Wirklichkeit nicht stand. So steigt denn die Zahl der Vegetarier auch beständig. 1983 ernährten sich nur etwa 0,6 Prozent der Bevölkerung vegetarisch (Gesellschaft für Konsumforschung), im Jahr 2006 betrug der Anteil je nach Schätzung zwischen neun (Institut Produkt und Markt) und 11 Prozent Prozent (Stern), die meisten davon Frauen. Der Vegetarierbund schätzt, dass im Durchschnitt jede Woche etwa 4000 Menschen in der ca. Bundesrepublik zu Vegetariern werden.

Da über die Ursachen dieses Wandels wenig bekannt ist, untersuchten Psychologen der Universität Jena die Motivation von Vegetariern. 81,7 Prozent der Befragten waren Frauen, die im Durchschnitt seit sieben Jahren auf Fleisch und Fleischprodukte verzichtet hatten.

Zunächst konnten die Jenaer Psychologinnen drei unterschiedliche Motivationen von Vegetariern ermitteln: Sie essen aus moralischen, aus gesundheitlichen oder aus emotionalen Gründen kein Fleisch. Diese Gründe können auch gemeinsam den Fleischverzicht bedingen. „Wichtig ist", betont Studienleiterin Dr. Kristin Mitte, „dass Vegetarier kein erhöhtes Risiko für Essstörungen zeigen." Doch die Psychologinnen von der Uni Jena wollten speziell den Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und der Motivation zum fleischlosen Leben analysieren.

Viele Vegetarier betonen, dass sie Fleisch und Fleischprodukte Ekel erregend finden. Bei emotionalen Vegetariern stellt sich der Abscheu vor Fleisch vor allem wegen des Aussehens oder des Geschmacks ein. Sie mögen Fleisch einfach nicht. Der Ekel der moralischen Vegetarier leitet sich hingegen von der empfundenen „Unmoral" ab. Sie verzichten vor allem, weil für Fleisch Tiere getötet werden müssen, der Fleischverzehr das Leid und den Schmerz von Tieren erhöht und deren Rechte verletzt. Moralische Vegetarier ärgern sich stärker, wenn sie andere Menschen Fleisch essen sehen und versuchen oft auch, andere vom Fleischverzehr abzuhalten. Die Ablehnung moralischer Vegetarier beginnt deshalb bereits bei der Tierhaltung und -schlachtung. In anderen unethischen Bereichen - etwa bei Rassismus - unterscheiden sie sich von anderen Bevölkerungsgruppen nicht. Die einzige Gruppe, die keinerlei Ekelgefühle bei Fleisch empfindet, sind die gesundheitlichen Vegetarier.

Hinsichtlich ihrer Persönlichkeitsstruktur unterscheiden sich Vegetarier nicht von anderen Menschen. Vegetarier sind z.B. nicht extravertierter, gewissenhafter oder zufriedener als Allesesser. Die hauptsächlichen Unterschiede fanden die Jenaer Psychologinnen in ihren Einstellungen. So sind Vegetarier offener für Erfahrungen, d. h. sie probieren häufiger etwas Neues aus. Außerdem finden sie Universalismuswerte wie Verständnis, Toleranz sowie das Wohlergehen aller Menschen und der Natur wichtiger als Allesesser. Auch an Macht, also an sozialem Status und Autorität über andere Menschen, sind Vegetarier weniger interessiert. Speziell Menschen, die aus ethischen Gründen vegetarisch leben, pflegen auch ansonsten eine geistige Grundhaltung der Wertschätzung der Natur und des Lebens generell.

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Ist vegetarisches Leben ungesund?

(pp).- Häufig argumentieren Fleischesser mit dem Argument, vegetarisches Leben sei einseitig, so dass es früher oder später zu Nährstoffmängeln komme. Tatsächlich hat aber dieses Argument nichts mit vegetarisch zu tun, sondern mit einseitiger Ernährung. Und die ist bei Fleischessern eher weiter verbreitet - Stichwort Fastfood - als bei Vegetariern, die sich tendenziell eher bewusst ernähren und gerne selbst kochen. Die amerikanische Gesellschaft der Ernährungswissenschaftler geht noch einen Schritt weiter und hält eine „vernünftig geplante" vegetarische Ernährung für alle Bevölkerungsgruppen (Kinder und Schwangere eingeschlossen) sogar für gesundheitsförderlich.

Komplizierter ist die Sache bei Veganern, also Menschen, die alle Nahrung tierischer Herkunft ablehnen (Milchprodukte, Honig). Der Ernährungsökologin Prof. Carola Strassner zufolge können sich auch diese Extremvegetarier gesund ernähren, dafür sei aber ein sehr gutes Ernährungswissen erforderlich. Außerdem sollten Veganer regelmäßig ihre Blutwerte untersuchen lassen. Speziell komme es häufig zu Vitamin B12-Mängeln.

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Das Problem mit Vitamin B12

(pp).- Speziell Veganer leiden öfters an einem Vitamin-B12- bzw. Cobalamin-Mangel, vor allem Frauen über 50, da ihr Körper aufgrund vergangener, unbemerkter Magen-Schleimhaut-Erkrankungen das wichtige Vitamin B12 nicht mehr so gut aus der Nahrung aufnimmt.

Das Problem dabei: Die Leber kann davon bis zu fünf Milligramm speichern, so dass sie den Körper bei Defiziten viele Jahre versorgen kann - vorausgesetzt, sie bekam vorher genügend Mengen zum Einlagern. Vitamin B12 braucht der Körper für die Bildung der roten Blutkörperchen, zum Schutz des Nervengewebes sowie zur Kommunikation zwischen den Nerven und zum Aufbau der DNS, jener Säure, die in den Zellen unsere Erbinformationen trägt. Dementsprechend sehen auch Mangelerscheinungen aus: Blutkrankheiten, Nervenstörungen, verminderte Zellteilung und psychiatrische Symptome. Vergleichsweise „milde" Symptome sind Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwäche.

Die andere Seite der Medaille: Es gibt viele Veganer und Veganerinnen, die unter keinem B12-Mangel leiden. Da das Vitamin lebensnotwendig ist, recycelt es der Körper soweit wie möglich. Sogar im Darm gehen spezielle Körpereiweiße auf Cobalamin-Suche und schnappen es Bakterien weg, die im Dünn- und Dickdarm das Vitamin produzieren. Tatsächlich ist der Bedarf an diesem Vitamin so gering - je nach Experte zwischen 0,001 und 0,005 Milligramm täglich - dass schon der Verzehr von Mikroorganismen an Salaten oder Gemüse einen Teil dieser Menge liefern kann. Eine handgewaschene Biokarotte direkt aus dem Garten enthält z.B. etliches an Vitamin B12, da sich Erd-Bakterien noch auf ihrer Oberfläche befinden.

Bobby Langer

Quelle: Greenpeace 2010; Institut für Psychologie der Universität Jena, Juni 2006; vebu.de

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Sollten unsere Kinder Vegetarier werden?

Für Kinder ab dem Schulalter ist eine vegetarische Ernährung mit Milchprodukten und Eiern eine günstige Ernährungsform

(pp).- Erwachsene Vegetarier sind gesünder und erkranken deutlich weniger an Krebs als die „Fleischpflanzen". Das steht fest. Sorgen Eltern also für das Wohl ihrer Kinder, wenn sie sie vegetarisch ernähren? Das Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund nimmt hierzu klar Stellung: „Mit ausgewogener vegetarischer Ernährung, in der regelmäßig Milch und Milchprodukte verzehrt und Getreide, Kartoffeln, Gemüse und Obst abwechslungsreich kombiniert werden (laktovegetarische Ernährung), kann der Nährstoffbedarf in allen Altersgruppen leicht gedeckt und Zivilisationskrankheiten vorgebeugt werden." Gegenüber dem üblichen Nahrungsüberangebot westlicher Industrieländer sei eine solche Kost „von Vorteil für die Vorbeugung von Zivilisationskrankheiten".

Eltern, die aus ökologischen, sozialen oder moralischen Gründen auch bei ihren Kindern an der vegetarischen Ernährung festhalten möchten, müssen sich also keine Sorgen machen, auch wenn eine ausgewogene Ernährung mit mäßigen Fleischmengen leichter fällt, da Fleisch wichtige, gut verfügbare Nährstoffe, insbesondere Eisen, Zink und B-Vitamine, enthält. Hauptmanko bei einer laktovegetarischen Ernährung ist der potentielle Eisenmangel. Nicht nur, weil Fleisch wesentlich mehr und leichter bioverfügbares Eisen enthält, sondern weil schon kleine Fleischmengen die Bioverfügbarkeit von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln deutlich verbessern. Aber auch ohne Fleisch kann die schlechte Verfügbarkeit von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln erheblich gesteigert werden: durch die gleichzeitige Aufnahme von Vitamin C. Schon durch 50 mg Vitamin C, die z. B. in 100 ml Orangensaft enthalten sind, wird die Bioverfügbarkeit von Eisen in einer vegetarischen Mahlzeit etwa verdoppelt. Vitamin-C-reich sind aber auch Paprika, Äpfel, Zwiebeln oder Petersilie. Besonders eisenreiche Lebensmittel für Vegetarier sind z.B. Hirse (4,5 mg/50g), Mandeln (2,1 mg/50 g), Feldsalat (1,8 mg/Portion), Fenchel (1,35 mg/50 g), Hühnerei (1,2 mg/Stück), Vollkornbrot (1,1 mg/Scheibe), Spinat (1 mg/Esslöffel) und Haferflocken (0,6 mg/Esslöffel). Wer seinen Kindern Camu-Camu-Fruchtpulver oder -Extrakt ins Müsli streut, schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Diese Vitamin-C-reichste Pflanze der Erde ist auch eisenreich.

Von einer veganen Ernährung ohne Milchprodukte und Eier sollte man bei Kindern Abstand nehmen. Die Gefahr von Ernährungsmängeln (Kalzium, Vitamin B12, Eisen, Zink, Vitamin D) ist dann nur schwer auszuschließen.

Zur weiteren Lektüre

(pp).- Eltern, die ihre Kinder vegetarisch ernähren wollen, sollten sich ein gründliches Ernährungswissen aneignen, zum Beispiel über

- Irmela Erckenbrecht, Das vegetarische Baby, 192 S., 14 Euro, Pala Verlag, Darmstadt, ISBN 978-3895661433

- Petra Kühne, Säuglingsernährung: Stillen und vegetarische Breikost, 120 S., Arbeitskreis für Ernährungsforschung, ISBN 978-3922290452

- Empfehlungen für die Ernährung von Säuglingen, Dortmunder Forschungsinstitut für Kinderernährung, anzufordern unter www.fke-shop.de/index.php

Bobby Langer

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Quellen: ernaehrung.de; Forschungsinstitut für Kinderernährung Dortmund; Justus-Liebig-Universität Gießen; kinder.de; kindergesundheit-info.de; wikipedia

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